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50 Tonnen Erdreich ergeben 50 Gramm Platin
NETZSCH liefert die größte Mühle ihrer Art nach Südafrika/Maschine verbraucht in der Stunde so viel Strom wie eine größere Porzellanfabrik

Selb - Ein "bisschen kalt" sei es in Deutschland, meint Dr. Giacomo Canepa, der gerade vom Urlaub aus seiner italienischen Heimat in seine Wahlheimat zurückgekehrt ist. Doch wenn er aufs Geschäft zu sprechen kommt, ist Canepas Frösteln wie weggeflogen. Voller Stolz erzählt der Geschäftsführer der Selber NETZSCH Feinmahltechnik GmbH, dass seine Firma gerade die größte Mühle ihrer Art fertig gestellt hat. Lieferziel: Südafrika. Aufgabe: Gewinnung von Platin. 50 Tonnen Erdreich pro Stunde schluckt der Schlund des Mühlen-Kolosses. Läuft alles nach Plan, bleiben aus diesen 50 Tonnen am Ende 50 Gramm Platin übrig. Nicht viel? Ein Gramm des seltenen Edelmetall kostet etwa 21 Euro, so dass die Mühle pro Tag den Gegenwert von 25000 Euro ausspuckt.


In vier Monaten dürfte sich die Mühle für den südafrikanischen Minenbetreiber amortisiert haben, glauben Canepa und sein technischer Leiter, Udo Enderle. Sie hegen deshalb die Hoffnung, dass die Südafrikaner weitere Mühlen aus Selb ordern. Das
ist nachvollziehbar: Die NETZSCH-Mühle hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 20 Jahren, nur halb so lange rentiert sich in der Regel der Abbau einer Platin-Mine.

Konkurrenz vom Weltmarkt hat NETZSCH für diese Art von nicht zu fürchten, erklärt Giacomo Canepa. "Hier sind wir mit unserer Technik und unserem Know-how absolut führend."Das Geheimnis liegt darin, das Erdreich in möglichst feine Bestandteile zu zermahlen. In Mikron werden die Partikel gemessen, die die Mühle am Ende des Arbeitsvorganges zur Platingewinnung verlassen - so groß wie das Hunderstel eines Sandkorns. In anderen Anwendungsbereichen, für die Pharmaindustrie zum Beispiel, muss das Resultat noch um ein Tausendfaches kleiner ausfallen. Der Vorteil der Feinstvermahlung mit den NETZSCH-Rührwerkskugelmühlen liegt nach Enderles Worten darin, dass in der nachfolgenden "Flotation", wie sich das Aufbereitungsverfahren nennt, mehr Erdmetall gewonnen wird. Vereinfach ausgedrückt funktioniert eine Rührwerkskugelmühle so: In der Mahltrommel befindet sich ein Rührwerk, das
Mahlkugeln - hier nur zwei Millimeter groß - sehr schnell bewegt. Das Produkt
wird unter Zugabe von Wasser bis auf Mikrometer-Größe zerkleinert. Am Auslauf
der Maschine wird das Erz mit Hilfe der Zentrifugalkraft von den Mahlkügelchen getrennt und anschließend in einem chemischen Prozess weiterbehandelt. "Das
Ganze muss bei einem akzeptablen Verschleiß und unter möglichst hoher Energiezufuhr geschehen", sagt Canepa. Nur so sei eine optimale Wirtschaftlichkeit gewährleistet.

Für die Entwicklung der Technik arbeitet NETZSCH seit langem mit einem kompetenten
in innovativen Partner zusammen: mit der Mount Isa Mines (MIM). Die Gesellschaft
besitzt in Australien die größte Kupfermine der Welt. "Wo Kupfer vorkommt, ist meist auch Zink, Blei und Silber zu finden", weiß Dr. Canepa. Ein "revolutionärer industrieller Schritt" sei NETZSCH zusammen mit den Australiern bei der Gewinnung von Zink gelungen dem Pilotprojekt sei der Erfolg so groß gewesen, dass sogar der Prime-Minister Australiens zur Eröffnung der MIM-Mine von einer "Jahrhundertentwicklung" gesprochen habe.

Nach Gold, ebenfalls in Australien, kam dann der Auftrag für den Versuch, mit Hilfe
von NETZSCH-Mühlen in der Nähe von Johannesburg Platin zu gewinnen. Die Kammern der ersten Mühlen hatten ein Volumen von 3000 Litern, erinnert sich der Geschäftsführer. Nach bestandenem Test folge nun die 10000-Liter-Mühle, 65 Tonnen schwer und 1,5 Millionen Euro teuer.

Geht es noch größer? "Bei 10000 Litern stößt man an technische Grenzen", sagt Canepa, "mechanisch und auch wegen der Elektromotoren, die die riesigen Mahlkugelmengen bewegen müssen." 2400 Kilowatt benötigen Sie in der Stunde -
etwa soviel wie eine größere Porzellanfabrik. Die NETZSCH Feinmahltechnik hat auch wesentlich kleinere Maschinen in ihrem Angebot. Die Anforderungen an 10-Liter-Mühlen, etwa für Produkte der Pharmabranche, reichen bis in den Nanbereich und können auch um die 300 000 Euro kosten. Die größten Steigerungsraten erzielt die von Canepa verantwortete NETZSCH-Sparte zurzeit im Geschäft mit China. "Plus 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das verteilt sich dort auf alle Bereiche der Industrie".

210 Mitarbeiter zählt NETZSCH Feinmahltechnik in der Region, etwa zur Hälfte verteilt auf die Standorte Selb/Tirschenreuth (Verwaltung, Technik, Vertrieb) und Tirschenreuth
(Produktion). Weltweit beschäftigt die Sparte rund 500 Menschen, die einen Jahresumsatz von 60 Millionen Euro erwirtschaften. Zum Vergleich: Die gesamte
NETZSCH-Gruppe bringt es auf 2100 Beschäftigte in 17 Niederlassungen in Europa,
Asien um Amerika - mit einem Umsatz von 210 Millionen Euro.

Canepa arbeitet bereits seit über 30 Jahren bei NETZSCH. "Darauf bin ich stolz", sagt er. "Vor allem auf mein Team, das im Durchschnitt erst 40 Jahre alt ist, aber drei Viertel
der Belegschaft sind schon länger dabei als zehn Jahre."

Einige Ferrari-Modellautos stehen auf Canepas Büroschrank. "Fahren Sie einen echten?"
Er lacht. "Nein, nein", sagt er und scherzt, "Ferrari und NETZSCH sind sich doch ziemlich ähnlich." Nur habe sich Ferrari einen Deutschen geholt und NETZSCH eben
einen Italiener.

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